John Neumeier: Die Geschichte der Legende des Hamburg Balletts

Es gibt Menschen, die in ihrer Heimatstadt geboren wurden und ihr Leben darauf verwenden, sie zu verbessern. Und es gibt solche, die eine Stadt nur einmal besuchen, sich aber nicht mehr von ihr trennen können und alles dafür tun, dass auch andere sie lieben. Genau so ist John Neumeier – der bekannte Choreograf und Leiter des Hamburg Balletts. Mehr auf hamburgski.eu.

Der Lebensweg von John Neumeier und seine Entwicklung als Choreograf

John Neumeier wurde am 24. Februar 1939 in der amerikanischen Provinz Milwaukee, Wisconsin, geboren. Dort machte er seine ersten Schritte im klassischen Tanz, indem er am Marquette University College studierte. Zudem besuchte er die Ballettschule in Chicago, wo er auch die Technik des Modern Dance erlernte und in der Truppe von Sybil Shearer auftrat. 1961 schloss Neumeier das College mit einem Bachelor of Arts in englischer Literatur und Theaterwissenschaft ab.

Schnell erkannte er, dass er in den Vereinigten Staaten keine Perspektiven hatte, und reiste unmittelbar nach seinem Abschluss nach Europa, um sein Wissen über europäische Tanztraditionen zu vertiefen. Er begann in Kopenhagen, wo er bei Vera Volkova, einer Pädagogin des Dänischen Königlichen Balletts, Tanz studierte. Später widmete er ihr das Ballett „Hamlet“. Nach einiger Zeit setzte er seine Ausbildung an der Royal Ballet School in Großbritannien fort. Während seines Aufenthalts in London in den Jahren 1962-1963 wurde John Neumeier von Marcia Haydée bemerkt, der Primaballerina des Stuttgarter Balletts. Diese talentierte Schauspielerin spielte eine entscheidende Rolle in seiner Karriere. Zunächst informierte sie ihren Mentor, den Leiter des Stuttgarter Balletts John Cranko, über den jungen Amerikaner, der ihn sofort einstellte. Später spielte sie Hauptrollen in vielen von Neumeiers Inszenierungen, darunter in den berühmten Balletten „Die Kameliendame“, „Dritte Sinfonie von Gustav Mahler“ und „Endstation Sehnsucht“. Ihre gemeinsame kreative Arbeit war ein Schlüsselmoment in seiner Karriere als Choreograf.

1969 wurde John Neumeier zum Leiter des Frankfurter Balletts ernannt, womit sein Aufstieg in der Welt der Choreografie begann. Bereits zwei Jahre später, 1971, erregte sein ungewöhnlicher Ansatz für klassische Inszenierungen wie „Der Nussknacker“, „Romeo und Julia“ und „Daphnis und Chloe“ Aufsehen in der Theaterwelt. Seine Interpretationen waren frisch, unerwartet und weckten echtes Interesse, wodurch sich Neumeier als Innovator im Ballett etablierte.

Der Beginn seiner Arbeit beim Hamburg Ballett und seine Innovationen als Choreograf

1973 zog John Neumeier mit einer Gruppe von Künstlern des Frankfurter Balletts nach Hamburg, um das Ballett der Hamburgischen Staatsoper wiederzubeleben. Zu dieser Zeit wurde er von den Medien als der jüngste künstlerische Leiter eines Balletts weltweit bezeichnet. Sein Antritt in Hamburg wurde jedoch mit Skepsis aufgenommen. Sein erster Schritt in seiner neuen Position bestand darin, viele Künstler zu entlassen, was in der Truppe für Spannungen sorgte. Doch dieser mutige Beginn war nur ein Teil seines großen Plans zur Wiederbelebung des Hamburg Balletts, das er später auf ein neues Niveau brachte. Eine der ersten Tagesvorlesungen über Ballett, begleitet von einer Tanzvorführung (heute das Markenzeichen des Hamburg Balletts, damals eine Neuheit für die Truppe und ihr Publikum), löste jegliches Misstrauen auf.

In dieser Zeit inszenierte der Choreograf völlig neue Werke: „Die Saga von König Artus“, „Ein Sommernachtstraum“, „Hamlet“ und „Othello“. Von da an begann das Hamburgische Staatsballett eine neue Ära und wurde bald zu einer der bekanntesten Truppen der Welt. John Neumeier selbst erlangte unglaublichen Ruhm und zahlreiche Auszeichnungen in Deutschland und darüber hinaus.

In Hamburg waren die Traditionen des klassischen Balletts nicht besonders ausgeprägt, weshalb er sich besonders der Bildungsarbeit widmete. 1975 gründete Neumeier das Hamburg Ballett Festival, das die besten internationalen Stars vereinte. Für diesen Ballettgipfel inszenierte er „Vaclav“, „Nijinsky“ und rekonstruierte das Ballett „Pavillon d’Armide“ von Michel Fokine. 1976 schuf er seine berühmten Inszenierungen „Illusionen – wie Schwanensee“ und „Hamlet – gemeint ist“, und ein Jahr später folgten „Die Josephslegende“ und „Vierte Sinfonie von Gustav Mahler“.

Die Gründung der Ballettschule und das Ende seiner Karriere beim Hamburg Ballett

Sein ganzes Leben lang atmete John Neumeier Ballett und tat alles, um dieses Kunstform zu bewahren und weiterzuentwickeln. 1978 gründete er die Hamburg Ballett Schule. Im Herbst 1989 erhielt sie ihr eigenes Gebäude – das „Ballettzentrum“, das von der Stadt Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Die Schule umfasste ein Internat für Schüler und neun Probestudios. Später bestand mehr als 80 % des Ensembles des Hamburg Balletts aus Absolventen dieser Schule. Im Februar 2006 gründete Neumeier eine Stiftung, um sein künstlerisches Erbe zu bewahren, und übertrug Hamburg alle Rechte an seiner einzigartigen Sammlung, die Kunstobjekte, Archive und eine Bibliothek umfasst. Er inszenierte über hundert Ballette und gestaltete oft selbst die Kostüme seiner Inszenierungen.

In einem seiner Interviews sagte er: „Jedes Ballett, jede Inszenierung ist ein Teil von mir. Ich kann kein Ballett über etwas erschaffen, das mir fremd ist. Ich muss in ihm einen Teil von mir selbst finden, um ihm Authentizität zu verleihen.“

Die Ära John Neumeier in Hamburg endete im Sommer 2024. Einer der bedeutendsten Choreografen der Gegenwart trat von seiner Position als künstlerischer Leiter des Hamburg Balletts zurück. Sein Abschied vom Publikum war besonders – mit der Premiere seines Balletts „Epilog“.

Der unermüdliche Einsatz von John Neumeier, seine Hingabe an die Kunst und sein Streben nach Perfektion machten das Hamburg Ballett zu einem der besten der Welt. Dank ihm wurde die Stadt zu einem Zentrum des Balletts, und sein Name bleibt für immer in der Geschichte Hamburgs verankert.

Die Sporthalle in Hamburg – „Alsterdorfer Sporthalle“

Viele wissen nicht, dass Hamburg nicht nur für seine Festivals und seine schöne Uferpromenade bekannt ist. Die Stadt hat auch beeindruckende sportliche Erfolge vorzuweisen,...

Tim Mälzer – ein erfolgreicher Koch und Gastronom

Tim Mälzer ist ein erfolgreicher Koch, Kochbuchautor und Gastronom, der oft durch seine eigene Kochshow „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“ bekannt ist. Der Fernsehkoch versucht,...
..... .