Die Entwicklung des deutschen Kinos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte sowohl Höhen als auch Tiefen. So werden beispielsweise die 1920er Jahre als die Blütezeit des Films in Deutschland bezeichnet. Doch bereits ab 1933 nutzten die Nationalsozialisten das Medium als Instrument der staatlichen Propaganda. Für Schauspieler war diese historische Periode alles andere als einfach. Wir laden Sie ein, einen der bedeutendsten Schauspieler jener Zeit kennenzulernen. Weiter auf hamburgski.
Der Beginn der künstlerischen Laufbahn
Hans Albers wurde 1891 in Hamburg geboren. Er ging als einer der populärsten deutschen Theater- und Filmschauspieler des 20. Jahrhunderts in die Geschichte ein. Hans stammte aus einer kinderreichen Familie; sein Vater war Schlachter. Er hatte fünf ältere Geschwister. Schon in jungen Jahren half Hans seinem Vater, absolvierte später jedoch eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete in einer Firma für Seiden- und Textilhandel.
Im Teenageralter begeisterte sich Hans Albers für die Schauspielerei und besuchte Schauspielkurse, wobei ihn seine Mutter unterstützte. Der junge Mann war jedoch gezwungen zu arbeiten, um sich selbst zu versorgen und seine Eltern zu unterstützen, weshalb ihm nur wenig Zeit für seine Leidenschaft blieb. Dennoch wagte Hans es im Jahr 1911, sein Können auf der Bühne des Neuen Theaters in Frankfurt am Main unter Beweis zu stellen. Daraufhin nahm er an Aufführungen kleinerer Theater in verschiedenen deutschen Städten teil.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde Hans Albers zum Militärdienst eingezogen. Er erlitt eine Verletzung am Bein und wurde in ein Lazarett eingeliefert. Die Ärzte sprachen von einer drohenden Amputation der Gliedmaße, doch glücklicherweise konnten solch radikale Maßnahmen vermieden werden. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus begann Albers wieder, Theater zu spielen. Er zog nach Berlin und sprach erfolgreich für Hauptrollen an mehreren großen Theatern der Hauptstadt vor.
Erfolg in Theater und Film
Der junge Schauspieler wurde von Eugen Burg, einem bekannten Regisseur jener Zeit, gefördert. Zunächst vertraute man Hans komödiantische Rollen an. Doch schon wenige Jahre später sprach man von ihm nicht nur als talentiertem Komiker, sondern auch als vielseitigem Charakterdarsteller, Sänger, Tänzer und sogar Akrobaten. Hans Albers verausgabte sich auf der Theaterbühne bis zum Äußersten, was das Publikum bemerkte und schätzte. Zu dieser Zeit gewann er Tausende von Fans, die das Schaffen des Schauspielers unterstützten.
Ab 1917 trat Hans Albers nicht nur in verschiedenen Theatern auf, sondern spielte auch in Filmen mit. Damals erfreute sich der Stummfilm großer Beliebtheit. Innerhalb von etwa 10 Jahren spielte der gebürtige Hamburger über 100 Rollen. Dabei verkörperte er stets schillernde und unvergessliche Charaktere – furchtlose Bösewichte, verführerische Liebhaber oder skrupellose Zuhälter.
Ende der 1920er Jahre hielt der Tonfilm in Deutschland Einzug, was für Hans Albers, der bereits zum Liebling des Publikums geworden war, neue Möglichkeiten eröffnete. Jeder neue Tonfilm wurde zu einem großen Hit. Hans hatte in fast jedem von ihnen eine der führenden Rollen inne, wodurch er innerhalb weniger Jahre zum gefeierten Star avancierte und noch mehr Ruhm und Anerkennung erlangte. Der Tonfilm brachte übrigens auch die gesanglichen Fähigkeiten von Hans zur Geltung. Seine raue Stimme hob sich deutlich von den Stimmen anderer Schauspieler ab. In einigen Filmen musste er Lieder singen, die sofort zu Gassenhauern wurden.
Schauspielerei und das NS-Regime

Der Höhepunkt von Hans Albers‘ Popularität fiel auf den Beginn der 1930er Jahre. Als 1933 Hitlers Partei an die Macht kam, drohte ihm Gefahr. Wie auch andere populäre Schauspieler stand Hans im Blickpunkt der Öffentlichkeit, und für eine solch prominente Person war es nicht einfach, sich zu verbergen. Die Nationalsozialisten übernahmen die Kontrolle über alle Theater und die Filmbranche, um die Kunst für die Propagierung ihrer Ansichten zu nutzen. Da er keine Marionette in den Händen der Machthaber sein wollte, hörte Albers auf, am Theater zu arbeiten, und versuchte, sich vom Hitler-Regime fernzuhalten.
Hans zog zusammen mit seiner Lebensgefährtin Hansi Burg, die Jüdin war, so weit wie möglich weg von der Hauptstadt – nach Bayern, in die Gegend des Starnberger Sees. Burg war ebenfalls Schauspielerin, doch angesichts der Einstellung der Nazis gegenüber Juden begriff Albers, dass ihr Leben in Gefahr war. Eine Zeit lang lebte das Paar zurückgezogen in Bayern, ohne in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Später jedoch bestand Hans darauf, dass seine Geliebte nach England übersiedelte.
Hans nahm an keinen Theateraufführungen teil und mied auch Festlichkeiten, zu denen Kulturschaffende eingeladen wurden. Er trat auch nicht in die NSDAP ein. Dennoch spielte er weiterhin in Filmen mit, darunter auch in Propagandafilmen, wofür er nach dem Sturz des NS-Regimes von der Gesellschaft verurteilt wurde. Der Großteil seiner Fans begegnete seiner Tätigkeit und seiner Haltung jedoch mit Verständnis.
Das Leben in der Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Kapitulation Deutschlands kehrte Hans Albers auf die Theaterbühne zurück. Parallel dazu drehte er Filme. Einige seiner Rollen waren weniger erfolgreich, doch insgesamt nahm das Publikum den Schauspieler wieder an, und er erhielt erneut hohe Gagen. Hans traf sich wieder mit Hansi Burg, die unmittelbar nach dem Fall des Nazi-Regimes zu ihm zurückkehrte. Auch sie setzte ihre Karriere als Schauspielerin fort, und das Paar lebte glücklich zusammen, auch wenn sie ihre Beziehung offiziell nie registrieren ließen.
In den 1950er Jahren sorgten sich die Fans um den Gesundheitszustand des Schauspielers. Sein Erscheinungsbild, der erloschene Blick und das veränderte Aussehen legten den Gedanken nahe, dass es nicht nur am Alter lag. Später wurde bekannt, dass der Schauspieler tatsächlich gesundheitliche Probleme hatte. Zudem entwickelte er eine Alkoholsucht, was eine Bedrohung für seine Karriere darstellte. Dennoch stand Hans Albers bis zuletzt vor der Kamera und auf der Bühne. Er verstarb im Jahr 1960 und hinterließ einen unvergesslichen Eindruck in der Entwicklung des deutschen Theaters und Kinos.